Busse und Bahnen im Nahverkehr bleiben gefragt: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland rund 5,7 Milliarden Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr gezählt. Das sind zwei Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Zuwächse gab es bei allen drei Verkehrsmitteln. Busse verzeichneten rund 2,7 Milliarden Fahrgäste, Straßenbahnen etwa zwei Milliarden und Regionalzüge 1,4 Milliarden. Das Deutschlandticket dürfte weiterhin zur Nachfrage beitragen. Es kostet seit Januar 2026 monatlich 63 Euro und gilt bundesweit im Regional- und Nahverkehr.
Anders sieht es auf längeren Strecken aus. Im Fernverkehr sank die Fahrgastzahl um zwei Prozent auf 75 Millionen. Fernzüge beförderten 69 Millionen Menschen, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Fernbusse legten dagegen deutlich zu: Rund 5,4 Millionen Fahrgäste bedeuten ein Plus von zehn Prozent.
Die Zahlen zeigen unterschiedliche Entwicklungen innerhalb des öffentlichen Verkehrs. Sie zählen Fahrten beziehungsweise Beförderungsfälle: Wer mehrfach unterwegs war, wird auch mehrfach erfasst.
Ein ICE hält zweimal in derselben Stadt: Warum ein Hauptbahnhof manchmal nicht reicht!
Eigentlich klingt es logisch: Eine Stadt hat einen Hauptbahnhof – also sollten dort auch die ICE-Züge halten.
In der Praxis funktioniert Fernverkehr aber nicht so einfach. Entscheidend ist weniger der Name des Bahnhofs als die Frage, wie die Fernverkehrsstrecke durch eine Stadt verläuft.
Berlin ist dafür ein gutes Beispiel. Der Hauptbahnhof wurde bewusst am Schnittpunkt der Ost-West- und Nord-Süd-Achse gebaut. Trotzdem halten viele ICE zusätzlich in Berlin Südkreuz oder Berlin-Spandau.
Warum? Weil diese Bahnhöfe ohnehin direkt an wichtigen Fernverkehrsachsen liegen. Wer im Süden Berlins wohnt und Richtung München fährt, muss dadurch nicht erst zum Hauptbahnhof in die Innenstadt und anschließend mit demselben Zug wieder Richtung Süden fahren. Ähnlich funktioniert Spandau bei Zügen Richtung Hamburg oder Hannover.
In Frankfurt verfolgt der zweite große ICE-Halt wiederum einen ganz anderen Zweck. Der Frankfurt Flughafen Fernbahnhof bindet den Flughafen direkt an den Fernverkehr an. Fahrgäste können dort beispielsweise in ICE Richtung Köln, Amsterdam, Hamburg, München oder Schweiz steigen, ohne vorher zum Hauptbahnhof fahren zu müssen.
Besonders interessant wird es in Köln.
Einige ICE halten in Köln Messe/Deutz (tief), weil ein Halt im Hauptbahnhof je nach Zuglauf einen betrieblich ziemlich ungünstigen Umweg bedeuten würde. Ein Zug aus Richtung Düsseldorf, der anschließend auf die Schnellfahrstrecke Richtung Frankfurt möchte, müsste über die Hohenzollernbrücke zum Hauptbahnhof fahren, dort die Fahrtrichtung wechseln und anschließend wieder zurück.
Messe/Deutz ermöglicht es, Köln trotzdem zu bedienen – ohne diesen zusätzlichen Richtungswechsel.
Und Siegburg/Bonn zeigt, dass ein wichtiger ICE-Halt nicht einmal mitten in der namensgebenden Großstadt liegen muss. Die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main verläuft östlich von Bonn, weshalb zahlreiche ICE stattdessen in Siegburg halten. Von dort geht es unter anderem mit der Stadtbahn weiter nach Bonn.
Das Grundprinzip ist damit ziemlich einfach: Ein Hauptbahnhof ist dann ideal, wenn er ohnehin auf dem natürlichen Weg des Zuges liegt. Sobald ein zusätzlicher Bahnhof viele Fahrgäste erschließt oder einen Umweg vermeidet, kann ein weiterer ICE-Halt sinnvoller sein.
Zu viele Stopps wären allerdings ebenfalls keine Lösung. Jeder zusätzliche Halt kostet Zeit – und deshalb hält auch nicht jeder ICE an jedem möglichen Fernbahnhof.
Was findet ihr besser: Fernverkehr möglichst an einem zentralen Hauptbahnhof bündeln oder große Städte über mehrere ICE-Halte erschließen? Und nutzt ihr in Berlin bewusst Südkreuz oder Spandau statt Hauptbahnhof?
Berlin leidet unter Anti-Verkehrspolitik“ – Fahrgastverband zieht kurz vor der Wahl kritische Bilanz
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Wenige Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 rückt die Verkehrspolitik der Hauptstadt erneut in den Mittelpunkt. Christian Linow, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB, zieht eine ausgesprochen kritische Bilanz der vergangenen Jahre. Seine zentrale Kritik: Berlin diskutiere über große Zukunftsprojekte, während an anderer Stelle bestehende Infrastruktur verfalle oder wichtige Vorhaben kaum vorankämen. Den Zustand beschreibt Linow mit den Worten, Berlin leide unter einer „Anti-Verkehrspolitik“.
Besonders deutlich zeigt sich der Konflikt für den Fahrgastvertreter in Friedrichshain. Seit November 2025 ist ein Abschnitt der Straßenbahnlinie 21 außer Betrieb. Die BVG führt auf der Linie umfangreiche Bau- und Erneuerungsmaßnahmen durch, die bis Ende 2026 vorgesehen sind. Gleichzeitig wartet Berlin weiterhin auf die seit Jahren geplante direkte Straßenbahnanbindung des Bahnhofs Ostkreuz.
Dabei handelt es sich keineswegs um ein kleines Projekt. Die geplante Neubaustrecke soll rund 1,2 Kilometer lang sein und von der Holteistraße über die Sonntagstraße und das Ostkreuz bis zur Karlshorster Straße führen. Vier barrierefreie Haltestellen sind vorgesehen. Das Ostkreuz wird nach Angaben der BVG täglich von rund 250.000 Menschen genutzt und zählt damit zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Berlins. Das Planfeststellungsverfahren für die Tramstrecke läuft allerdings bereits seit 2017.
Linow sieht gerade darin ein grundsätzliches Problem. Während andere europäische Städte ihre Straßenbahnnetze ausbauten und bestehende Strecken auch während Sanierungen möglichst betriebsfähig hielten, sei in Friedrichshain eine vorhandene Verbindung über längere Zeit nicht nutzbar. Die Kritik an Senatsverwaltung und BVG ist dabei seine Bewertung; die BVG verweist ihrerseits auf notwendige umfangreiche Erneuerungsarbeiten und führt das Ostkreuz-Projekt weiterhin als Vorhaben in der Planungsphase.
Streitpunkt U7 zum Flughafen BER
Ein weiteres Beispiel ist die geplante Verlängerung der U-Bahn-Linie U7 von Rudow zum Flughafen BER. Linow bezeichnet das Projekt als eines jener „Luftschlösser“, bei denen aus seiner Sicht Aufwand, Finanzierung und verkehrlicher Nutzen nicht in einem sinnvollen Verhältnis zu dringlicheren Projekten stehen. Er nennt stattdessen unter anderem eine Verlängerung der U9 in Richtung Pankow als aus seiner Sicht sinnvollere Priorität.
Ganz ohne Grundlage ist die U7-Planung allerdings nicht. Für die Verlängerung zum BER wurde eine Nutzen-Kosten-Untersuchung durchgeführt. Nach Angaben des Berliner Senats wurden dabei Investitionskosten von rund 883 Millionen Euro zum Preisstand 2016 angesetzt, einschließlich Risikoaufschlag und Planungskosten.
Bis zu einem tatsächlichen Baubeginn ist es dennoch ein weiter Weg. Noch im April 2026 teilte Berlin offiziell mit, dass die Grundlagenuntersuchung abgeschlossen sei. Die Fortführung der Planungen erfordere jedoch politische Entscheidungen sowie entsprechende Finanzmittel in Berlin und Brandenburg. Eine mögliche Umsetzung stehe ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt.
Damit treffen zwei Sichtweisen aufeinander: Befürworter können auf eine untersuchte langfristige Schienenanbindung des Flughafens verweisen. Kritiker wie Linow fragen dagegen, ob Berlin seine begrenzten Mittel zunächst in Projekte investieren sollte, die bestehende Netze entlasten oder bereits weit vorangeschritten sind.
Auch beim Ticketverkauf stehen Veränderungen bevor
Zusätzlichen Diskussionsstoff liefern die Pläne der BVG für den Fahrscheinverkauf. Der Aufsichtsrat hat im Juli 2026 Mittel für eine neue Generation von Ticketautomaten freigegeben. Die teilweise mehr als 30 Jahre alte Technik soll ab 2029 schrittweise ersetzt werden. Nach Angaben der BVG soll der Vertrieb dadurch moderner, digitaler und einfacher werden. Die genaue Ausgestaltung soll gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erfolgen.
Schon heute verändert sich der Ticketkauf. Die neuen langen „Urbanliner“-Straßenbahnen beispielsweise besitzen erstmals keine mobilen Ticketautomaten mehr. Die BVG begründet dies damit, dass inzwischen ein großer Teil der Fahrgäste digitale Tickets oder Abonnements wie das Deutschlandticket nutzt. Gleichzeitig wurden nach BVG-Angaben entlang der zunächst bedienten M4 zusätzliche Verkaufsstellen geschaffen.
Linow warnt jedoch davor, Digitalisierung so umzusetzen, dass bestimmte Fahrgastgruppen ausgeschlossen werden. Gerade ältere Menschen, Kinder, Touristen oder Personen ohne Smartphone beziehungsweise Kreditkarte müssten weiterhin unkompliziert Zugang zu Fahrscheinen haben. Aktuell können Papiertickets an stationären Automaten weiterhin auch mit Bargeld gekauft werden; in BVG-Bussen ist die Bezahlung dagegen bereits seit September 2024 ausschließlich bargeldlos möglich.
Zwischen Milliardenprojekten und Alltagsproblemen
Die Debatte verdeutlicht ein grundsätzliches Problem der Berliner Verkehrspolitik: Auf der einen Seite stehen langfristige Großprojekte wie neue U-Bahn-Strecken. Auf der anderen Seite kämpfen Fahrgäste mit bestehenden Baustellen, unterbrochenen Verbindungen und Projekten, deren Umsetzung sich über viele Jahre hinzieht.
Gleichzeitig wäre es zu einfach, daraus abzuleiten, dass überhaupt nichts investiert werde. Die BVG beschafft neue Straßenbahnen, modernisiert die U-Bahn-Technik und plant weiterhin die Straßenbahnanbindung des Ostkreuzes. So sollen unter anderem neue Züge und das digitale Zugsteuerungssystem CBTC langfristig für höhere Leistungsfähigkeit auf Teilen des U-Bahn-Netzes sorgen.
Die Kritik des Fahrgastverbands richtet sich daher weniger gegen einzelne Investitionen als gegen die aus seiner Sicht fehlende Gesamtstrategie und Priorisierung. Linow sagt wenige Tage vor der Wahl, er erkenne derzeit bei keiner Partei eine überzeugende verkehrspolitische Vision für Berlin. Das ist die Einschätzung eines Interessenvertreters und keine unabhängige Bewertung der Wahlprogramme.
Für die Berlinerinnen und Berliner dürfte Mobilität deshalb auch bei der Wahl am 20. September ein wichtiges Thema bleiben. Die entscheidende Frage ist dabei nicht nur, welche neuen Strecken irgendwann gebaut werden könnten. Ebenso wichtig ist, wie schnell bestehende Projekte umgesetzt werden, wie zuverlässig Busse und Bahnen im Alltag funktionieren und wie leicht der öffentliche Nahverkehr für unterschiedliche Fahrgastgruppen zugänglich bleibt.
Bahn-Chaos in Dahme-Spreewald: Zahlreiche Regionalzüge und S-Bahnen fallen wochenlang aus
★ 4,0/5
Foto: Rob Dammers / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Für Pendlerinnen und Pendler in Dahme-Spreewald stehen schwierige Wochen bevor. Wegen umfangreicher Bauarbeiten kommt es ab dem 18. September zu erheblichen Einschränkungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr. Betroffen sind unter anderem die Linien RE2, RE7, RE20 und RB22 sowie die S-Bahn-Linien S46 und S8.
Besonders problematisch ist, dass Regionalzüge und S-Bahnen teilweise gleichzeitig ausfallen. Fahrgäste zwischen Berlin, Königs Wusterhausen, Bestensee, Halbe und weiteren Orten im Landkreis müssen deshalb mit längeren Fahrzeiten, Umleitungen und Ersatzverkehr rechnen.
Bei der Linie RE2 fallen die Züge vom 18. bis 27. September zwischen Berlin-Schöneweide und Halbe aus. Anschließend ist die Verbindung vom 27. September bis 2. Oktober zwischen Berlin-Schöneweide und Bestensee unterbrochen.
Auch die Linie RE7 ist stark betroffen. Vom 18. bis 26. September fahren keine Züge zwischen Berlin-Ostbahnhof und Halbe. Vom 27. September bis zum 2. Oktober wird der Ausfallbereich bis Lübben erweitert.
Die Linie RE20 fällt vom 18. September bis zum 2. Oktober zwischen dem Flughafen BER und Lübbenau beziehungsweise Cottbus aus. Im gleichen Zeitraum verkehren auch die Züge der RB22 zwischen Königs Wusterhausen und dem Flughafen BER nicht.
Zusätzliche Einschränkungen gibt es bei der S-Bahn. Die Linien S46 und S8 fahren an zwei Wochenenden nicht zwischen Königs Wusterhausen und Berlin-Grünau. Die erste Sperrung beginnt am 18. September um 21.45 Uhr und dauert bis zum 21. September um 1.30 Uhr. Eine weitere Unterbrechung folgt vom 25. September um 4 Uhr bis zum 28. September um 1.30 Uhr. Für diese Zeit soll ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet werden.
Damit treffen die Sperrungen viele Pendler besonders hart: Wer normalerweise mit der Regionalbahn in Richtung Berlin fährt und dort auf die S-Bahn umsteigt, muss teilweise für den gesamten Weg auf Ersatzverbindungen ausweichen.
Der Fahrgastverband Pro Bahn Lausitz sieht die gleichzeitigen Einschränkungen kritisch und fordert einen flächendeckenden, zuverlässigen und pünktlichen Ersatzverkehr. Wichtig seien außerdem verständliche Informationen und eine gute Beschilderung, damit Reisende ihre Ersatzverbindungen problemlos finden können.
Auch nach den September-Sperrungen müssen sich Fahrgäste auf weitere Einschränkungen einstellen. Ende November und Anfang Dezember sind erneut Unterbrechungen auf den Linien S46 und S8 vorgesehen.
Pendler sollten sich deshalb vor Fahrtantritt über ihre Verbindung informieren und deutlich mehr Reisezeit einplanen. Besonders an den betroffenen Wochenenden können Busse und andere Ersatzverbindungen stärker ausgelastet sein.
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