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AfD gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich

Autor: @Soundmaxx

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand gewonnen und ihr Ergebnis mehr als verdoppelt.

Bild/Foto: Roy Zuo / Wikimedia Commons – CC BY-SA 4.0
Sachsen-Anhalt hat gewählt – und das Ergebnis verändert die politischen Kräfteverhältnisse im Land grundlegend. Bei der Landtagswahl am Sonntag, 6. September 2026, wurde die AfD mit großem Abstand stärkste Partei. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Landeswahlleitung erreicht sie 43,8 Prozent der Zweitstimmen. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt nur noch auf 17,2 Prozent.

Dahinter folgen die SPD mit 9,3 Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent, die Linke mit 8,6 Prozent und das BSW mit 5,3 Prozent. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde und ist im neuen Landtag nicht mehr vertreten. Besonders auffällig sind die Veränderungen gegenüber 2021: Die AfD legt um 23 Prozentpunkte zu, während die CDU 19,9 Prozentpunkte verliert.

Auch die Wahlbeteiligung ist bemerkenswert. 77,8 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab – ein Rekordwert für eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Insgesamt beteiligten sich mehr als 1,32 Millionen Menschen an der Wahl.

So sieht der neue Landtag aus

Der neue Landtag hat 83 Sitze. Davon erhält die AfD 39 Mandate. Die CDU kommt auf 15 Sitze. SPD, Grüne und Linke erhalten jeweils acht Mandate, das BSW fünf. Für eine absolute Mehrheit sind 42 Stimmen notwendig. Die AfD hat diese Mehrheit damit um drei Sitze verfehlt.

Damit ist eines klar: Der deutliche Wahlsieg allein reicht der AfD nicht, um Sachsen-Anhalt ohne Unterstützung anderer Abgeordneter zu regieren.

Wer wird jetzt Ministerpräsident?

Genau diese Frage ist derzeit offen.

Bis ein neuer Ministerpräsident gewählt wurde, bleibt der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU geschäftsführend im Amt. Der neu gewählte Landtag muss spätestens am 6. Oktober 2026 zu seiner ersten Sitzung zusammentreten. Eine feste gesetzliche Frist für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten gibt es danach allerdings nicht.

In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat mindestens 42 der 83 Stimmen. Scheitern beide Versuche, muss der Landtag anschließend zunächst darüber entscheiden, ob er sich auflöst. Geschieht das nicht, folgt ein dritter Wahlgang. Dort genügt die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen; Enthaltungen werden nicht mitgezählt.

Genau dadurch könnte das BSW eine entscheidende Rolle bekommen.

CDU, SPD und Grüne kommen zusammen lediglich auf 31 Sitze. Selbst zusammen mit den acht Abgeordneten der Linken wären es 39 – genauso viele wie die AfD besitzt. Die fünf BSW-Abgeordneten könnten deshalb bei der Ministerpräsidentenwahl zum entscheidenden Faktor werden.

Das BSW hatte zunächst erklärt, weder Ulrich Siegmund noch Sven Schulze zum Ministerpräsidenten wählen zu wollen. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze erklärte am Montag allerdings, seine Partei wolle sich bei einem möglichen dritten Wahlgang enthalten, sollte Siegmund kandidieren. Da Enthaltungen in diesem Wahlgang nicht als abgegebene Stimmen zählen, könnte eine solche Entscheidung Siegmunds Wahl erleichtern. Eine verbindliche Regierungsvereinbarung zwischen AfD und BSW gibt es bislang jedoch nicht.

Ulrich Siegmund will Ministerpräsident werden

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sieht das Ergebnis als eindeutigen Auftrag seiner Partei, eine Regierung zu bilden.

Am Montag bekräftigte er, dass er als Ministerpräsident kandidieren wolle, sobald er eine stabile Mehrheit hinter sich versammeln könne. Wörtlich sagte er:

„Selbstverständlich trete ich als Ministerpräsidentenkandidat in Sachsen-Anhalt an, wenn es sich abzeichnet, dass ich eine stabile Mehrheit auf den Weg gebracht habe.“

Das sei momentan allerdings noch nicht absehbar. Deshalb wolle seine Partei in den kommenden Tagen und Wochen versuchen, eine solche Mehrheit zu organisieren. Siegmund bezeichnete das Wahlergebnis außerdem als einen „ganz klaren Regierungsauftrag“.

Dabei will er nach eigener Darstellung sowohl mit Fraktionen als auch mit einzelnen Abgeordneten sprechen. Bei zentralen AfD-Positionen machte Siegmund zugleich deutlich, dass er nur wenig Spielraum für Kompromisse sieht. Forderungen insbesondere bei Migration und innerer Sicherheit sollten nach seiner Aussage vollständig umgesetzt werden.

Das ist eine bemerkenswerte Veränderung gegenüber seinen Aussagen unmittelbar vor der Wahl. Damals hatte Siegmund erklärt, nur bei einer eigenen absoluten Mehrheit der AfD regieren zu wollen. Nach dem Wahlergebnis sucht er nun ausdrücklich nach Unterstützung außerhalb seiner eigenen Fraktion.

Sollte keine tragfähige Lösung gefunden werden, hatte Siegmund am Wahlabend sogar Neuwahlen ins Spiel gebracht.

Was sagen die Bürger zum Wahlergebnis?

Die Wahl zeigt nicht nur einen deutlichen Sieg der AfD, sondern zugleich eine starke politische Spaltung in Sachsen-Anhalt.

Eine Nachwahlbefragung von Infratest dimap zeigt ein nahezu exakt geteiltes Bild bei der Frage, ob eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindert werden sollte: 47 Prozent der Befragten halten es für richtig, eine AfD-Regierungsbeteiligung zu verhindern. Ebenfalls 47 Prozent halten eine solche Verhinderung für falsch.

Auch bei der Frage, welche Partei die kommende Landesregierung führen sollte, ist die Bevölkerung gespalten. 41 Prozent der Befragten wünschen sich eine AfD-geführte Regierung, während 46 Prozent eine CDU-geführte Regierung bevorzugen. Dabei wünschen sich AfD-Wähler nahezu geschlossen eine AfD-Regierung, während Anhänger von CDU, SPD, Grünen und Linken überwiegend eine CDU-geführte Regierung bevorzugen.

Das Wahlergebnis lässt sich deshalb nicht einfach nur als Protestwahl beschreiben. Befragungen zeigen, dass viele Menschen der AfD inzwischen auch bei konkreten politischen Themen Kompetenz zuschreiben. So sehen 40 Prozent die AfD bei der Kriminalitätsbekämpfung vorn, 38 Prozent bei der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Auch bei Wirtschaft, Arbeitsplätzen, Energieversorgung und Bildung sind ihre Kompetenzwerte gegenüber früheren Wahlen deutlich gestiegen.

Gleichzeitig gibt es einen erheblichen Teil der Bevölkerung, der eine mögliche AfD-Regierung kritisch oder mit Sorge betrachtet. Die gesellschaftliche Spaltung, die bereits vor der Wahl sichtbar war, dürfte deshalb auch nach dem Wahltag eine zentrale Herausforderung für Sachsen-Anhalt bleiben.

Ein politischer Einschnitt für Sachsen-Anhalt

Die Wahl vom 6. September ist ein tiefer Einschnitt. Die CDU, die Sachsen-Anhalt seit 2002 durchgehend geführt hat, verliert nicht nur einen großen Teil ihrer Stimmen. Sie gewann bei dieser Wahl auch kein einziges der 41 Direktmandate. Die AfD holte dagegen 38 Direktmandate, drei gingen an die Linke.

Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Gegen diese Einstufung geht der Landesverband juristisch vor. Das macht die Frage einer möglichen Regierungsübernahme auch weit über Sachsen-Anhalt hinaus politisch bedeutsam.

Für die CDU stellt sich nach ihrer historischen Niederlage zudem die Frage nach personellen und politischen Konsequenzen. Ministerpräsident Sven Schulze hat seine politische Zukunft zunächst offengelassen. In der Landes-CDU gibt es bereits Forderungen nach einem personellen Neuanfang.

Wie geht es jetzt weiter?

In den kommenden Tagen dürften vor allem Gespräche zwischen den Parteien und einzelnen Abgeordneten im Mittelpunkt stehen. Ulrich Siegmund versucht, eine stabile Mehrheit für eine von ihm geführte Regierung zu organisieren. Gleichzeitig muss die CDU entscheiden, ob und mit welchem Kandidaten sie selbst einen Versuch zur Regierungsbildung unternimmt.

Das BSW könnte dabei zur entscheidenden Kraft werden. Seine fünf Abgeordneten können sowohl bei einer möglichen Wahl Siegmunds als auch bei einer alternativen Regierung eine zentrale Rolle spielen.

Einen neuen Ministerpräsidenten hat Sachsen-Anhalt deshalb trotz des klaren Wahlergebnisses noch nicht. Wahlsieger ist die AfD – wer das Land in den kommenden fünf Jahren tatsächlich regiert, wird erst im neu gewählten Landtag entschieden.

Quelle: Redaktion

Autor: @Soundmaxx
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