Potsdams Verkehrsbetrieb steht vor einem erheblichen Finanzierungsproblem. Für die Anschaffung neuer Straßenbahnen fehlen nach aktuellen Angaben insgesamt rund 38 Millionen Euro. Betroffen sind sowohl bereits bestellte Fahrzeuge als auch zusätzliche Straßenbahnen, die künftig unter anderem für die Anbindung des neuen Stadtteils Krampnitz benötigt werden.
Besonders problematisch ist, dass selbst die Finanzierung der bereits bestellten 13 TRAMLINK-Straßenbahnen noch nicht vollständig gesichert ist. Die abschließende Zahlung an den Hersteller ist derzeit weiterhin offen. Gleichzeitig fehlt für sechs weitere geplante Straßenbahnen bislang die komplette Finanzierung.
Damit trifft die angespannte Haushaltslage eines der wichtigsten Verkehrsprojekte der wachsenden Landeshauptstadt Brandenburgs.
Die neuen TRAMLINK-Straßenbahnen stammen vom Hersteller Stadler und sollen schrittweise ältere Fahrzeuge ersetzen sowie die Kapazitäten im Potsdamer Straßenbahnnetz deutlich erhöhen. Mit einer Länge von rund 42 Metern bieten sie wesentlich mehr Platz als viele der bisher eingesetzten Bahnen. Langfristig sollen sie einen leistungsfähigeren, komfortableren und barriereärmeren öffentlichen Nahverkehr ermöglichen.
Die Anschaffung wurde bereits vor mehreren Jahren gemeinsam von der Stadt Potsdam und dem Verkehrsbetrieb auf den Weg gebracht.
Inzwischen sind die neuen Straßenbahnen längst keine reine Zukunftsplanung mehr. Die ersten TRAMLINK-Fahrzeuge sind bereits im Potsdamer Linienverkehr unterwegs. Umso schwieriger erscheint die Situation, dass die Finanzierung eines Teils der bereits bestellten Fahrzeuge weiterhin nicht abschließend geklärt ist.
Neue Straßenbahnen für Krampnitz dringend benötigt
Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich durch die Entwicklung des neuen Stadtteils Krampnitz im Potsdamer Norden. Dort entsteht ein großes Wohngebiet, dessen Verkehrsanbindung maßgeblich durch den öffentlichen Nahverkehr sichergestellt werden soll.
Ein zentraler Bestandteil der Planungen ist die Verlängerung der Straßenbahnlinie 96 über den Campus Jungfernsee in Richtung Krampnitz und langfristig weiter nach Fahrland.
Für den Ausbau der erforderlichen Infrastruktur setzt Potsdam auf umfangreiche Fördermittel von Bund und Land. Bei entsprechenden Verkehrsprojekten können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 75 Prozent der förderfähigen Kosten durch Bundesmittel und weitere bis zu 15 Prozent durch Landesmittel gedeckt werden.
Ein entsprechender Förderantrag für die geplanten Infrastrukturmaßnahmen wurde bereits eingereicht.
Allerdings reicht der Bau neuer Straßenbahnstrecken allein nicht aus. Mit einem wachsenden Streckennetz und steigenden Fahrgastzahlen müssen auch zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung stehen.
Genau hier liegt ein wesentlicher Teil des aktuellen Finanzierungsproblems: Für sechs weitere benötigte Straßenbahnen fehlen bislang die notwendigen Mittel.
Millionenprojekt stellt Potsdam vor große Herausforderungen
Dass es bei der Erweiterung des Straßenbahnnetzes um erhebliche Investitionen geht, zeigen bereits frühere Kostenberechnungen.
Für den stadtbahngerechten Um- und Ausbau der Linie 96 bis nach Fahrland wurden Gesamtkosten von mehr als 223 Millionen Euro veranschlagt.
Die derzeitige Finanzierungslücke stellt Potsdam vor schwierige Entscheidungen. Einerseits wächst die Stadt und benötigt dringend zusätzliche Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr. Andererseits schränkt die angespannte Haushaltslage den finanziellen Handlungsspielraum erheblich ein.
Besonders bei den bereits bestellten 13 Straßenbahnen besteht Handlungsdruck. Die Verträge wurden abgeschlossen, die Fahrzeuge werden ausgeliefert und teilweise bereits eingesetzt. Die noch offene Schlusszahlung muss daher in absehbarer Zeit finanziell abgesichert werden.
Wie geht es jetzt weiter?
Mit der Finanzierungslücke beschäftigt sich inzwischen auch der Hauptausschuss der Landeshauptstadt Potsdam.
Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die fehlenden Millionen aufgebracht werden können und welche Auswirkungen die finanzielle Situation auf weitere Fahrzeugbestellungen haben könnte.
Neben möglichen zusätzlichen Haushaltsmitteln könnten auch Anpassungen bestehender Finanzierungspläne eine Rolle spielen. Welche konkreten Lösungen tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.
Für Potsdam steht dabei weit mehr auf dem Spiel als die Anschaffung einiger neuer Straßenbahnen.
Die Entscheidung hat unmittelbare Auswirkungen auf die zukünftige Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob wichtige Verkehrsprojekte wie die Straßenbahnanbindung des neuen Stadtteils Krampnitz im vorgesehenen Zeitrahmen verwirklicht werden können.
Fest steht: Die zusätzlichen Straßenbahnen werden benötigt, damit Potsdams öffentlicher Nahverkehr mit dem Wachstum der Stadt Schritt halten kann. Wie die derzeit fehlenden rund 38 Millionen Euro finanziert werden sollen, ist allerdings weiterhin ungeklärt.
Potsdam fehlen 38 Millionen Euro für neue Trams
Foto: „TRAMLINK-Straßenbahn in Potsdam. Foto: Tramhendi / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0“ Kommentare
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