Mutmaßlicher CSD-Attentäter bei Polizeieinsatz in Berlin-Spandau erschossen

Autor: @Soundmaxx

Einen Tag nach dem tödlichen Anschlag im Umfeld des Berliner Christopher Street Days ist der gesuchte Tatverdächtige Abdul B. bei einem Polizeieinsatz in Spandau erschossen worden.

Der nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day gesuchte Abdul B. ist tot. Die Polizei lokalisierte den 21-Jährigen am Sonntag gegen 18 Uhr in einer Kleingartenanlage im Bezirk Spandau. Nach bisherigen Erkenntnissen der Berliner Polizei soll der Tatverdächtige dort mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen sein. Daraufhin schossen Beamte des Spezialeinsatzkommandos auf ihn. Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr leiteten unmittelbar Reanimationsmaßnahmen ein, konnten den Mann jedoch nicht mehr retten. Er starb noch am Einsatzort.

Damit endete eine großangelegte Fahndung, die seit der Nacht zuvor in Berlin und darüber hinaus gelaufen war. Abdul B. stand im Verdacht, am Samstagabend gegen 22 Uhr im Bereich des Großen Tiergartens gezielt Menschen angegriffen zu haben, die sich im Umfeld des CSD aufhielten. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft soll dabei ein von ihm gemietetes Fahrzeug eingesetzt worden sein. Ein weißer Kastenwagen war durch den Ahornsteig im Tiergarten gefahren und hatte dort mehrere Menschen erfasst, bevor das Fahrzeug gegen einen Baum prallte. Zusätzlich wurden Menschen mit einer Stichwaffe verletzt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach später davon, dass mutmaßlich eine Machete eingesetzt worden sei.

Eine Frau kam durch den Anschlag ums Leben. Die zunächst gemeldete Zahl von 16 Verletzten wurde im Laufe des Sonntags auf insgesamt 29 Verletzte erhöht. Einige von ihnen waren schwer oder zunächst lebensgefährlich verletzt. Am Sonntagnachmittag teilte die Polizei mit, dass sich keiner der Verletzten mehr in Lebensgefahr befinde. Auch zahlreiche Menschen, die das Geschehen miterlebt hatten, mussten psychologisch betreut werden.

Die Abschlussveranstaltung des CSD am Brandenburger Tor wurde am Samstagabend nach dem Angriff abgebrochen. Besucher wurden aufgefordert, das Gelände ruhig zu verlassen und den Tiergarten zu meiden. Die Ermittlungen konzentrierten sich bereits wenige Stunden später auf Abdul B. Die Polizei veröffentlichte am Sonntagmorgen ein Foto des 21-Jährigen und warnte ausdrücklich davor, ihn anzusprechen, da er möglicherweise bewaffnet und gefährlich sei.

Die Sicherheitsbehörden kannten den Tatverdächtigen bereits seit längerer Zeit. Abdul B. wurde in Berlin geboren, wuchs dort auf und war deutscher Staatsangehöriger. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung war er als islamistischer Gefährder eingestuft worden. Bundesinnenminister Dobrindt erklärte, alles deute auf einen islamistisch motivierten Terroranschlag hin. Inzwischen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Auch seine Vorgeschichte beschäftigt die Ermittler. Bereits im Februar 2022 war Abdul B. vom Amtsgericht Tiergarten wegen Körperverletzung und räuberischer Erpressung verurteilt worden. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Urteil: Wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie zweier Verstöße gegen ein vollziehbares Verbot nach dem Vereinsgesetz erhielt er eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Über eine mögliche Aussetzung der Strafe zur Bewährung sollte erst später entschieden werden. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Generalstaatsanwaltschaft legte gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil Berufung ein und hatte eine höhere, nicht mehr bewährungsfähige Jugendstrafe sowie die Aufrechterhaltung des Haftbefehls gefordert.

Grund für dieses Verfahren waren unter anderem seine mutmaßlichen Bemühungen, sich dem sogenannten Islamischen Staat anzuschließen. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft entwickelte Abdul B. 2025 den Wunsch, sich dem bewaffneten Kampf des IS anzuschließen. Nach einem ersten gescheiterten Ausreiseversuch flog er im Mai 2025 über die Türkei in den Libanon, um von dort nach Syrien zu gelangen. Im Libanon nahm er nach den Ermittlungen Kontakt zu Personen auf, die er zumindest selbst für IS-Mitglieder hielt. Am 24. Juli 2025 wurde er dort festgenommen und später von einem Militärgericht unter anderem wegen der Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten zu drei Monaten Haft verurteilt.

Nach seiner Haftentlassung kehrte Abdul B. am 17. November 2025 nach Deutschland zurück. Am Flughafen BER wurde er aufgrund eines deutschen Haftbefehls festgenommen und befand sich bis zu seinem Prozess im Mai 2026 in Untersuchungshaft. Das Gericht sah außerdem als erwiesen an, dass er bereits im Juni 2024 über seinen Instagram-Account verbotene Propaganda des IS veröffentlicht hatte. Bei der Strafzumessung war berücksichtigt worden, dass er sich im Verfahren überwiegend geständig gezeigt und sich nach Darstellung des Gerichts vom IS distanziert hatte.

Noch wenige Wochen vor dem CSD-Anschlag geriet der 21-Jährige erneut ins Visier der Ermittler. Am 3. Juli 2026 wurde seine Anschrift in Berlin-Schöneberg wegen eines Verdachts auf einen Verstoß gegen das Waffengesetz durchsucht. Die Ermittler fanden jedoch lediglich eine Spielzeugwaffe, weshalb dieses Verfahren eingestellt wurde.

Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung sollte Abdul B. zudem Gespräche mit einer Deradikalisierungsstelle führen. Er befand sich noch in einem sogenannten Clearingprozess. Zwei Gespräche hatten bereits stattgefunden, ein weiteres war für die kommende Woche vorgesehen. Bei den Beratenden soll es Zweifel gegeben haben, wie ernsthaft seine Mitarbeit tatsächlich war.

Neben Abdul B. prüfen die Ermittler weiterhin, ob weitere Menschen unmittelbar an dem Anschlag beteiligt waren. Nach Informationen des rbb wurde bereits in der Nacht ein Mann mit iranischer Staatsangehörigkeit festgenommen. Die Ermittler gingen demnach davon aus, dass er sich in dem Tatfahrzeug befunden haben könnte. Welche Rolle er tatsächlich gespielt hat und ob es weitere Beteiligte oder Hintermänner gab, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Am Sonntag gedachten zahlreiche Menschen der Opfer. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und Berlins Innensenatorin Iris Spranger besuchten den Tatort und legten Blumen nieder. Die Veranstalter des Berliner CSD warnten zugleich davor, den Anschlag für politische Zwecke zu instrumentalisieren oder ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen.

Quelle: Redaktion

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