Neue Erkenntnisse aus der Senatsverkehrsverwaltung sorgen für Diskussionen über die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs im Westen der Hauptstadt. Interne Unterlagen zeigen, dass Fachleute erhebliche Zweifel an der geplanten Magnetschwebebahn nach Spandau haben. Neben möglichen Baukosten von fast 900 Millionen Euro stehen auch wichtige Wohnungsbauprojekte auf dem Spiel.
Die Pläne für eine Magnetschwebebahn zwischen dem ehemaligen Flughafen Tegel, der Insel Gartenfeld und Spandau könnten deutlich teurer werden als bislang erhofft. Das geht aus internen Unterlagen der Berliner Senatsverkehrsverwaltung hervor, die durch eine Akteneinsicht des Bündnisses Pro Straßenbahn Berlin bekannt geworden sind.
Während politische Verantwortliche der CDU die neue Technologie als mögliche Alternative zur Straßenbahn ins Gespräch brachten, kamen Fachleute innerhalb der Verwaltung zu einer deutlich kritischeren Einschätzung.
Kosten könnten auf fast 900 Millionen Euro steigen
Besonders auffällig ist die finanzielle Dimension des Vorhabens. Für ein ursprünglich geplantes Straßenbahnnetz mit einer Länge von rund 13 Kilometern wurden im Jahr 2022 etwa 300 Millionen Euro veranschlagt.
Eine interne Schätzung vom Februar 2026 beziffert die möglichen Kosten einer Magnetschwebebahn dagegen auf 592,1 bis 888,1 Millionen Euro. Damit wäre die alternative Technik nach diesen Berechnungen ungefähr doppelt bis nahezu dreimal so teuer.
Hinzu kommen finanzielle Unsicherheiten. Unter anderem könnten notwendige Leitungsverlegungen, besondere Brückenkonstruktionen und aufwendige Fundamente weitere Ausgaben verursachen. Auch die langfristigen Kosten für Wartung und Betrieb sind noch nicht ausreichend geklärt.
Die Experten stellen deshalb infrage, ob das Projekt die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln erfüllen könnte.
Auch große Wohnungsbauprojekte betroffen
Die Folgen der festgefahrenen Verkehrsplanung könnten weit über den Nahverkehr hinausreichen.
Im Berliner Westen entstehen beziehungsweise sind zahlreiche neue Wohnungen geplant. Allein entlang der vorgesehenen Straßenbahnverbindungen in Spandau geht es nach Angaben aus den Verwaltungsunterlagen um mehr als 17.000 Wohnungen.
Besondere Bedeutung haben die Entwicklungsgebiete Siemensstadt Square und Insel Gartenfeld. Dort ist eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr entscheidend, um den künftig steigenden Verkehr bewältigen zu können.
Interne Einschätzungen warnen davor, dass ein Verzicht auf die Straßenbahn sogar die planungsrechtliche Genehmigung einzelner Bauvorhaben erschweren oder verhindern könnte. Hintergrund ist die Frage, ob das vorhandene Straßennetz den zusätzlichen Verkehr überhaupt aufnehmen kann.
Damit betrifft die Entscheidung über die Verkehrsverbindung nicht nur Fahrgäste, sondern möglicherweise auch die weitere Stadtentwicklung.
Straßenbahnplanung bereits weit fortgeschritten
Die Straßenbahn sollte wichtige Verbindungen zwischen dem Bahnhof Spandau, Hakenfelde, dem U-Bahnhof Paulsternstraße und der Urban Tech Republic auf dem früheren Flughafen Tegel schaffen.
Nach Angaben des BUND Berlin lagen wesentliche Unterlagen für die Fortsetzung der Planung bereits Mitte 2023 vor. Zudem hatte eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung einen positiven Nutzen-Kosten-Vergleich ergeben.
Trotzdem wurden die nächsten Planungsschritte nicht eingeleitet.
Die CDU-geführte Verkehrspolitik setzte stattdessen auch auf die Prüfung einer Magnetschwebebahn, die weitgehend auf einer erhöhten Trasse verkehren könnte. Ein Argument dafür war, Eingriffe in bestehende Straßenflächen möglichst zu vermeiden.
Allerdings weisen die Fachleute darauf hin, dass auch eine aufgeständerte Bahn erhebliche bauliche Eingriffe erfordern würde. Pfeiler, Haltestellen und zusätzliche Bauwerke benötigen ebenfalls Platz.
Technische Innovation trifft auf praktische Probleme
Eine Magnetschwebebahn besitzt durchaus interessante technische Eigenschaften. Sie kann automatisiert betrieben werden und benötigt keine klassischen Schienenfahrzeuge mit Rad-Schiene-Kontakt für den regulären Fahrbetrieb.
Für Berlin wurde insbesondere das Transport System Bögl als mögliche Lösung betrachtet.
Doch eine neue Technologie allein garantiert noch keinen wirtschaftlichen Vorteil. Entscheidend ist, wie sich das Verkehrssystem unter den konkreten Bedingungen einer dicht bebauten Großstadt realisieren lässt.
Nach Einschätzung der Fachabteilung könnten fehlende etablierte Planungs- und Genehmigungsverfahren zudem dazu führen, dass eine Magnetschwebebahn nicht schneller verfügbar wäre als ursprünglich erhofft.
Gerade in Stadtteilen, deren Busverbindungen bereits stark ausgelastet sind, spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle.
Politischer Kurswechsel könnte die Planungen verändern
Die Ergebnisse der Akteneinsicht bringen neue Argumente in eine bereits länger geführte politische Debatte.
Das Bündnis Pro Straßenbahn Berlin wirft den bisherigen politischen Verantwortlichen vor, ein weit entwickeltes Straßenbahnprojekt zugunsten einer unsicheren Alternative ausgebremst zu haben.
Die Befürworter der Magnetschwebebahn sehen in der Technik hingegen grundsätzlich eine Möglichkeit, neue Verkehrslösungen für Berlin zu erschließen.
Nach der Berliner Wahl vom September 2026 könnte sich die politische Ausrichtung der Verkehrsverwaltung verändern. Welche Konsequenzen daraus für die einzelnen Projekte entstehen, bleibt abzuwarten.
Was bedeutet das für die Berliner Bevölkerung?
Für die Menschen in Spandau und den angrenzenden Entwicklungsgebieten steht vor allem eine praktische Frage im Mittelpunkt: Wann entstehen leistungsfähige Verkehrsverbindungen, die den steigenden Fahrgastzahlen gerecht werden?
Die jetzt bekannt gewordenen Unterlagen verdeutlichen, dass die Entscheidung zwischen Straßenbahn und Magnetbahn nicht allein eine Frage technischer Innovation ist.
Ebenso wichtig sind Baukosten, Wirtschaftlichkeit, Genehmigungsfähigkeit und die rechtzeitige Erschließung neuer Wohngebiete.
Fest steht: Solange keine verbindliche Entscheidung über den weiteren Ausbau getroffen wird, bleibt die langfristige Verkehrsanbindung wichtiger Berliner Entwicklungsgebiete ungewiss.
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