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Neue Regionalzüge in weiter Ferne: Alstom vertröstet Pendler erneut auf 2028

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Foto: Falk2 (Falk Arnhold)
Für Zehntausende Bahnreisende in Niedersachsen und Bremen wird die Geduldsprobe immer länger. Der Zughersteller Alstom hat die Lieferung von 34 modernen Doppelstockzügen erneut verschoben. Statt wie zuletzt angekündigt 2027 sollen die ersten Fahrzeuge nun frühestens 2028 ausgeliefert werden. Es ist bereits die siebte Terminverschiebung.

Aus zwei Jahren werden mindestens vier

Ursprünglich sollten die neuen Regionalzüge bereits im Dezember 2024 auf den Strecken des sogenannten Expresskreuzes Bremen/Niedersachsen eingesetzt werden. Doch aus dem geplanten Modernisierungsschub ist inzwischen eine jahrelange Hängepartie geworden.

Betroffen sind insbesondere diese Regionalexpresslinien:

RE1: Hannover – Bremen – Oldenburg – Norddeich Mole

RE8: Hannover – Bremen – Bremerhaven-Lehe

RE9: Osnabrück – Bremen – Bremerhaven-Lehe

Auf diesen Verbindungen sind täglich rund 40.000 Menschen unterwegs. Viele davon sind Berufspendler, die auf zuverlässige Zugverbindungen und ausreichend Sitzplätze angewiesen sind.

Warum dauert die Lieferung so lange?

Alstom begründet die erneute Verschiebung mit anhaltenden Materialproblemen und zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Herstellung und behördlichen Zulassung der Fahrzeuge.

Die neuen Züge vom Typ Coradia Max müssen umfangreiche technische und sicherheitsrelevante Anforderungen erfüllen, bevor sie mit Fahrgästen eingesetzt werden dürfen.

Allerdings wirft die inzwischen siebte Verschiebung Fragen zur Verlässlichkeit der bisherigen Lieferprognosen auf.

Fahrgäste müssen weiterhin mit Einschränkungen leben

Solange die neuen Fahrzeuge fehlen, bleibt die Deutsche Bahn auf Übergangslösungen angewiesen.

Auf der RE1 verkehren weiterhin Doppelstockzüge. Anders sieht es auf den Linien RE8 und RE9 aus. Dort müssen Reisende teilweise mit weniger Sitzplätzen und Einschränkungen beim Komfort rechnen.

Auf der RE8 stehen in den eingesetzten Ersatzfahrzeugen beispielsweise nur 600 bis 646 Plätze zur Verfügung, während die bisherigen Doppelstockzüge rund 670 Plätze boten. Auch WLAN fehlt.

Auf Teilen der RE9 kommen ältere Doppelstockwagen ohne Klimaanlage zum Einsatz.

Gerade bei hohem Fahrgastaufkommen können solche Einschränkungen den täglichen Weg zur Arbeit oder nach Hause zusätzlich erschweren.

Millionenauftrag und wachsende Kritik

Für die Beschaffung der 34 modernen Elektrozüge wurde ein Auftragsvolumen von rund 760 Millionen Euro vereinbart. Die Fahrzeuge sollen unter anderem barrierefreie Einstiege, großzügige Fahrradbereiche und deutlich mehr Reisekomfort bieten.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) hat bereits Vertragsstrafen und Schadenersatzansprüche gegenüber Alstom geltend gemacht. Weitere rechtliche Schritte bleiben möglich.

Eine Kündigung des Vertrags gilt allerdings kaum als praktikable Lösung. Eine erneute Ausschreibung und der Bau anderer Fahrzeuge würden zusätzliche Jahre beanspruchen.

Ersatzfahrzeuge sollen den Betrieb sichern

Damit die Fahrgäste trotz der Lieferprobleme weiterhin ihre Ziele erreichen können, arbeitet die LNVG gemeinsam mit DB Regio und Alstom an Ersatzkonzepten.

Nach Angaben der LNVG konnten bislang alle vorgesehenen Verbindungen ohne planmäßige Zugausfälle durch die fehlenden Neufahrzeuge angeboten werden.

Auch für 2027 und das gesamte Jahr 2028 sollen entsprechende Übergangslösungen organisiert werden.

Ein fatales Signal für den Nahverkehr

Moderne Züge sind ein wichtiger Bestandteil eines attraktiven öffentlichen Nahverkehrs. Sie sollen mehr Komfort bieten, die Barrierefreiheit verbessern und zusätzliche Fahrgäste für die Schiene gewinnen.

Wenn Fahrzeuge allerdings über Jahre hinweg nicht ausgeliefert werden, leidet das Vertrauen in solche Modernisierungsversprechen.

Für die betroffenen Pendler ist die Situation besonders ärgerlich: Sie warten seit Jahren auf Verbesserungen, während sie weiterhin mit älterem Zugmaterial und teilweise eingeschränktem Platzangebot zurechtkommen müssen.

Fazit: Die erneute Verschiebung ist mehr als nur ein Problem im Lieferkalender eines Herstellers. Sie zeigt, wie stark der Regionalverkehr von pünktlichen Fahrzeuglieferungen abhängt. Ob Alstom den neuen Termin 2028 tatsächlich einhalten kann, bleibt abzuwarten.
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